WARUM VERZICHT EIN GEWINN IST: FREIHEIT DURCH FASTEN

„Was es alles gibt, das ich nicht brauche!“ In diesem einfachen Satz schwingt irgendwie Erleichterung mit. Gesagt soll ihn einst Aristoteles haben, etwa 300 vor Christi. Die Fastenzeit von 5. 3. bis 19. 4. ist für jeden von uns die Chance zur persönlichen Inventur. 5 Impulse, die helfen, Verzicht in einen Sieg des Weglassens umzukehren…

Nein, fasten setzt kein spirituelles Motiv voraus, aber es ist kein Nachteil. Obwohl es auch für den logischen Verstand genug gute Gründe gibt, das 40tägige Zeitfenster zwischen Aschermittwoch und Karsamstag bewusst für physische und psychische Entrümpelung zu nützen.

Ungeachtet des Nahrungsüberangebotes, ist unser Körper im Winter auf Speichermodus konditioniert. Wir nehmen mehr hochkalorische Nahrung auf; gleichzeitig bewegen wir uns im Schnitt weniger als in der wärmeren Jahreszeit. Effekt: Winterspeck. Daher sind die kommenden Wochen für unseren Biorhythmus die günstigsten, um überschüssige Kilos einerseits durch Reduktion von Nahrung, andererseits durch mehr körperliche Aktivität wieder loszulassen.

Die positiven Auswirkungen des Fastens auf die Gesundheit sind hinlänglich bekannt: Durch verringerte Nahrungsaufnahme kommt es zu einer generellen Entlastung des Organismus, geistig wirkt sich der Verzicht förderlich auf innere Ruhe und Klarheit für Entscheidungen aus. Verzichten, worauf? Es bieten sich alle Lebens- und Genussmittel an, deren Konsum für unseren Körper Schwerarbeit sind – ich werde in den kommenden 40 Tagen Fleisch, Alkohol und Kaffee vollkommen weglassen.

Auch psychologisch haben wir jetzt Rückenwind: Die Fastenzeit erzeugt – ähnlich wie Weihnachten oder andere rituelle Phasen – ein kollektives Bewusstseinsfeld. Das kann man sich etwa vorstellen wie eine WLAN-Wolke: Wenn so viele Menschen gleichzeitig ihre Aufmerksamkeit auf etwas richten, fällt es auch jedem einzelnen von Vornherein leichter, sich dafür zu begeistern.

 Begeisterung ist die beste Voraussetzung: Wer es bei der Ernährung schafft, die starren Muster der eigenen Gewohnheiten bewusst zu durchbrechen, wird frei für eine Generalinventur der Bedürfnisse. Denn: Es ist so viel zu viel in unserer Überflussgesellschaft und umso befreiender, sich ab und zu bewusst zu machen, was es alles gibt, das wir nicht brauchen.

Wusstest du, dass Menschen laut einer Studie durchschnittlich 30 Arbeitstage pro Jahr für das Erfassen von Nachrichten ver(sch)wenden, die für sie vollkommen irrelevant sind? Fasten kann auch einen sensibleren und selektiveren Umgang mit Medien, Handy, Facebook & Co. bedeuten. Mit einem spürbar wohltuenden Effekt auf die innere Balance. Der Begriff „Abschalten“ kommt nicht von ungefähr.

„Verzicht nimmt nicht, Verzicht gibt“, sagt der Philosoph Martin Heidegger. Hier fünf Ideen für den Fasten-Fokus aufs Wesentliche, nämlich auf den Gewinn, den er bringt:
1.Entscheide dich auf etwas zu verzichten, was zu deinen fixen Gewohnheiten gehört und wo du stolz darauf bist, es nicht zu brauchen!
2.Erzähle deinem engsten Umfeld, deinen Freunden und Kollegen von deinem Fastenplan und verstärke dadurch deine Vereinbarung mit dir selbst.
3.Denke nicht an den gesamten Zeitraum deiner Reduktion. Denn in Wahrheit lässt du, was immer es ist, ja jeden Tag nur für heute weg. Morgen ist dann zum Glück wieder heute…
4.Bereite dich ganz bewusst auf Situationen der Verlockung vor. Bilde keine „Ich darf nicht“-Sätze – sondern mache dir deine eigene mentale Stärke bewusst: „Ich kann ganz einfach ohne…“
5.Sei dankbar für die Klarheit deiner Prioritäten, die sich durch bewussten Verzicht automatisch einstellt – und dafür, dass du ein Leben führst, in dem du Verzicht frei wählen kannst.

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