SPITZENSPORT: ROLLENMODEL FÜR PLEITEN- & PANNENSHOWS

Zugegeben, einer wie ich hätte Spitzensport so gerne als Rolemodel für Werteorientierung. Für Kritik- und Reflexionsfähigkeit. Als Lernmedium für eine mündige Zivilgesellschaft. Und oja: Der Sport per se hätte Potential für solche Rollen. Woran die gute Absicht – Verweis auf FIFA, FIA, ÖSV, OSV – grandios scheitert? Daran, dass sich kleine Funktionäre unterwegs zur großen Macht in intransparenten Systemen irgendwann selbst verlieren. Unter anderem.

Stimmt schon: Gegen unsere wirklichen Themen – Flüchtlingsproblematik, Euro-Krise, Rechts-Radikalisierung & Co. – nehmen sich die Schlagzeilen im Spitzensport wie Luxusproblemchen aus. Ehrlich: Hat uns überrascht, wie es bei der FIFA hinter den glatten Fassaden zugegangen ist? Wundert uns der schleichende Patschen in der Attraktivität der Formel 1? Verblüffen Staatsoperette und Funktionärskabarett, mit denen der ÖSV jetzt wochenlang die mediale Sommerbühne bespielt hat? Und dass beim Schwimmverband Abrechnungen von Top-Funktionären nicht sauber gewesen sein sollen: Wie sehr haut uns diese neueste Nachricht von den Socken? Gar nicht? Eben. Irgendwie kommen uns diese Dinge inzwischen ziemlich normal vor…

Da hilft auch nichts, dass sich die Kollegen bei den Medien – nicht ganz uneigennützig – so redlich um (künstliche) Aufgeregtheit bemühen, indem sie mit martialisch aufgedoppelter Sprache für sportliche Aufgüsse in der Sommersauna Österreich sorgen. Klar: Der Spitzensport ist auch an Tagen wie diesen Rolemodel und Vorbild. Nur halt für die Pleiten- & Pannenshows, die die Big Player im Sport produzieren und inszenieren (lassen?)

Fragt sich nur: Warum? Eine einfache Rechnung…
1.Machertypen gesucht. Sport-Verbände und -Vereine hatten ursprünglich in ihrer DNA, ausdrücklich KEINE Unternehmen zu sein. Die Kommerzialisierung des Sports zwingt aber zu unternehmerischem Denken und Handeln. Entsprechend werden finanziell unabhängige Machertypen aus der Wirtschaft für die Spitzenfunktionen gecasted. Im Guten helfen sie ihrem Sport durch Managementqualitäten, Beziehungen, Geldbeschaffung – im weniger Guten nützen sie den Sport (samt AthletInnen natürlich) für eigene Profilierung(sneurosen). Auch bei den Sportfunktionären gibt es Idealisten, Karrieristen und Narzissten.
2.Monopolmacht-Halter. Sportsysteme sind Monopolisten. Es gibt pro Disziplin meist nur einen Verband, so wie es nur ein Österreichisches Bundesheer und eine Polizei gibt. Monopole schaffen immer ein Gefälle zwischen denen, die die Monopolmacht verwalten (Präsidenten, Generalsekretäre, Funktionäre) – und jenen, die sich mit ihnen arrangieren wollen oder müssen (Trainer, Sportler). Das kostet partnerschaftliche Augenhöhe, züchtet Abhängigkeiten und nährt die Konkurrenz innerhalb des Systems. Wie es im Spitzensport teilweise um die Solidarität bestimmt ist, konnte man in den vergangenen Wochen und Monaten feststellen: offiziell gibt es sie nur mit den Stärkeren.
3.Kaiser ohne Hofnarren. 1 + 1, nur die beiden oben genannten Faktoren (es gäbe noch viele andere) zusammengezählt, macht die Machthabereien schon nachvollziehbarer! Kleine Macher kommen im Sport vergleichsweise einfach zu großer Macht. Indem sie wie Türlsteher vor den Positiv-Attributen des Sports wachen. So kontrollieren sie, wer ins System darf und wer nicht. Werden sie zu Abglanz-Maklern, indem sie auch den Zugang zu den AthletInnen regulieren. Vermarktung heißt das dann. Je begehrter AthletInnen und Sportart, je mehr Menschen und Institutionen Zugang zum System wollen, desto verlockender auch die Narzissmusfalle für die, die ihn ermöglichen oder verhindern können. Wer das eigene Machtgehabe selbst nicht ausreichend gut am Radar der eigenen Persönlichkeit hat, erachtet sich irgendwann für einen Kaiser im eigenen Sport. Und hat meistens auch keine Hofnarren, die ehrlich zu ihm sind. Sondern allenfalls Claqueure, die ihren Beifall wie eine Verdienstausfallsversicherung einzusetzen wissen.

Während ein Führungsstil patriarchalischer Prägung in modernen Unternehmen inzwischen immer untragbarer wird, weil neue Herausforderungen auch eine neue Kultur des Führens und mehr soziale Intelligenz brauchen, gibt´s den Typus Sonnenkönig in führender Funktionärsfunktion noch. Aber nicht mehr ewig. Vielleicht.

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