REDUZIERT AUF DAS MAXIMUM: WIE UNS WENIGER BEREICHERT

Fleisch geht mir überhaupt nicht ab. Aber: Auf meinen ersten Espresso am Ostersonntag freue ich mich schon, ohne zu wissen, ob er mir überhaupt schmecken wird. Eines jedenfalls – und ich könnte mir vorstellen, da geht es euch beim fröhlichen Weglassen ebenso – bringt die bewusste Entscheidung für Reduktion auf jeden Fall mit sich: Eine bessere Wahrnehmung für den Unterschied zwischen wirklich brauchen und gerne haben wollen…

Und weil wir ohnehin alle gerade in der Frühjahrsputz-Phase sind: Warum nicht gleich die Inventur des persönlichen – echten! – Bedarfs auch nach der Fastenzeit fortsetzen. Bei der Kleidung zum Beispiel. Ein Freund von mir stellt auf folgende Weise fest, was er noch braucht und was nicht: Er stellt sich vor seinen geschlossenen Kleiderkasten und schreibt auf, was drin ist. Was nicht auf der Liste steht, ihm also gar nicht bewusst ist, dass er überhaupt besitzt, kommt zur Caritas oder zum Flohmarkt.

Was könnten wir noch weglassen? Alte Geschichten zum Beispiel, die wir uns immer wieder über uns selbst, unser Leben, unsere Fähigkeiten oder über andere erzählen. Der Frühling ist ein idealer Zeitpunkt, unsere innere Ausrichtung neu zu justieren: Was sind meine Ziele? Wie wirkt es sich auf mein und auf das Leben anderer aus, wenn ich diese Ziele erreiche? Was ist mein Beitrag, meine Mission, damit sich Dinge verwirklichen, die ich mir wünsche? Und: Wodurch hindere ich mich im Moment noch am Vorankommen in die richtige Richtung?

Wann immer wir über die persönlichen Bücher gehen, erkennen wir: Bewusstes Weglassen führt – und es reichen oft ganz kleine Dinge – fast immer zu einer Vereinfachung unseres Lebens. Das Erfreuliche: Die freiwillige Reduktion wird nicht mehr als Askese oder Sinnlichkeitsfeindlichkeit abgetan, sondern – bewussterer Konsum und Verbrauch sind „in“. Und stiftet mitunter bereichernde Begegnungen, wie mir selbst auf meiner Heimreise von Kuala Lumpur vor ein paar Tagen passiert ist. Was geschah nach der ganzen Check In-Prozedur und 14 Stunden Flugzeit in Frankfurt? Genau: Statt über jeden Schritt froh zu sein, stellten sich die Passagiere minutenlang an, nur um mit der Rolltreppe zu fahren. Nur drei von mehr als 300 Fluggästen haben die Stiegen – wohlgemerkt: das Stiegenhaus war nicht eigens gekennzeichnet – genommen. Mit den beiden anderen Fußgängern hatte ich es bis zum Rückflug nach Wien wirklich lustig…

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