OLYMPISCHE SPIELE: EINE (FAST) PICKERLFREIE ZONE

Werbung und Olympia: immer schon ein heikles Thema! Auch 42 Jahre nach dem Ausschluss von Karl Schranz von den Olympischen Spielen in Sapporo sind selbst Profis Amateure, wenn es um die rechtliche Auslegung der Regeln 40 und 50 der Olympic Charter geht. Dort wird festlegt, wie AthletInnen während der „Black Period“ (9. Tag vor der Eröffnungsfeier bis zum 3. Tag nach der Schlussfeier) kommunizieren dürfen und wie auf gar keinen Fall. Vor allem Letzteres! Einigen, wie Aksel Lund Svindal oder Marcel Hirscher, war das Ganze überhaupt zu kompliziert. Sie haben ihre Websites – sicherheitshalber – offline gestellt.

Das spannende dabei: auch die Nicht-Werbung generiert Umsatz! Während wir meist noch unsere Sponsoren mit Tape überklebt haben, müssen heute Rennanzüge neu geschneidert und Helme lackiert werden – und das gesamte Team wird neu eingekleidet (Wert immerhin: 5.500 EUR pro Mannschaftsmitglied). Ein Großaufgebot an Anwälten überwacht rigoros, dass Marken wie Coca Cola und Mc Donalds – die offiziellen Partner des Internationalen Olympischen Comites – bei Olympia keine Geschmacksverfälschung durch werbliche Konkurrenz entsteht.

So frustrierend die erdrückende Konzern-Übermacht für individuelle Werbepartner von SportlerInnen ausgerechnet beim wichtigsten Wettbewerb auch ist: Dem Auge tut es gut, wenn der übliche Logo-Fleckerlteppich am Sportler verschwindet – und man die Menschen in den Startnummern erkennt. Die (fast) pickerlfreie Zone Olympia wirft alle zwei Jahre die Frage auf, ob im Spitzensport(sponsoring) nicht generell ein Kulturwandel ansteht. Ob das Logo einer Firma auf dem Kopf eines Sportlers als Einkommensnachweis noch zeitgemäß ist? Ob Trinkreflexe und Uhrzeitchecks vor laufender Kamera wirklich werbewirksam sind? Ob an sportlichen Wettkampfstätten tatsächlich immer größere Gummimonumente gefüllt mit heißer Luft die Aufmerksamkeit an sich ziehen müssen? Oder ist denkbar, dass auch SportlerInnen wieder mehr durch sich selbst und ihr Tun wirken können und neue Formate für den – wichtigen! – Transfer zur Wirtschaft gefunden werden?

Seit ich im Spitzensport aktiv war, beklagen Funktionäre, dass die Kultur in Österreich so viel und der Sport so wenig öffentliche Subvention erhält. Abgesehen davon, dass die Diskussion zu nichts führt und mehr Miteinander von Kultur und Sport besser ist, als weniger: Vielleicht hat dieses Gefälle auch mit dem generellen Auftreten des Sports und mit ernst genommen werden zu tun.
 Stellen Sie sich vor, die Wiener Philharmoniker spielen beim Neujahrskonzert in bunten Fracks und haben Kapperln mit Logos in irgendeiner Firmenfarbe auf, Anna Netrebko nippt bei den Salzburger Festspielen auf der Bühne ständig aus einer Dose und „Jedermann“ Nikolas Ofczarek verrenkt den Arm, damit das Publikum seine Uhr sieht: Käme uns doch komisch vor – und würde sicherlich vom Wesentlichen ablenken.

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