LEICHT LACHEN STATT SICH´S KÜNSTLICH SCHWER MACHEN

Wenn das Drama zu groß, der Fokus zu eng, die Dinge, die an sich Freude machen sollten, viel zu ernst werden, vergessen wir meist das Wichtigste: atmen und lächeln! – Spitzensport zeigt, gerade bei Weltmeisterschaften, wo die Dramasprache mitunter zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird. Die Welt meistern fängt in der eigenen Gedankenwelt an.

Egal welche Welt zu meistern ist – die wichtigste Disziplin bleibt: Balancehalten. Nicht nur im Spitzensport die Basis für Erfolg oder Misserfolg. Oft zu beobachten: Wenn vor einem wichtigen Bewerb die Spannung steigt, bleibt die Entspannung auf der Strecke – Fehler! Gerade vor besonders wichtigen Wettbewerben macht Sinn, möglichst nichts Besonderes zu tun. Warum? Weil einem das Vertrauen in den zurückgelegten Weg (und damit in sich selbst) signalisiert! Wer „aus dem Häuschen gerät“ ist überall, nur nicht in Kontakt mit seinen Kompetenzen.

Der Spitzensport ist eine Bühne: Er lebt von der Inszenierungen, Spannungsbögen, großen Bildern und Worten, vom emotionalen Hochschaubahnfahren. Weltmeisterschaften lösen kollektive Erregungszustände aus Euphorie, Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen aus. Die Summe der individuellen Gefühlslagen bildet die Atmosphäre, die sich wie eine riesige Dramaglocke über Großereignisse und alle, die daran teilnehmen, stülpt. Die Weltmeister in der Aufmerksamkeitsfokussierung sind meistens die, die die Medaillen gewinnen – die Weltmeister im Dramaschieben eher selten.

Die Sprache wirkt stärker, als das den meisten bewusst ist. Der STRESS vor der WM nimmt zu, AthletInnen HETZEN von Termin zu Termin, weil ja das Land im WM-FIEBER ist. Der DRUCK ist enorm, weil alle unter EROLGSZWANG stehen: Medaillen sind ein MUSS, die Rennen ein KAMPF. Kann sein, dass ein einzelner RETTER der Nation sein muss, wenn VERSAGER nur DEBAKEL produziert haben. Zählen tut, wie wir wissen, in SCHICKSALSRENNEN nur der Sieg. Silber und Bronze sind auch noch halbwegs ok. Obwohl: Im Grunde wissen wir, dass der Zweite schon der erste VERLIERER ist. Das Glück wohnt am Siegespodest, ringsum ist das Brachland des SCHEITERNS. Wenn die rot-weiß-rote Fahne gar nicht weht? Oje: KATASTROPHE! Gefolgt von der KRISE, an der jemand SCHULD sein muss – da hilft nur ein KÖPFEROLLEN.

Eine typische Reporterfrage an AthletInnen lauten: Wie KRANK macht Sie das alles? Das meinen AthletInnen, wenn sie sagen: „Man muss das Drumherum ausblenden.“ Stimmt. Nur: Wie? Nachdem Spitzensportler nicht die einzigen sind, die ab und zu vor wichtigen Ereignissen stehen – hier ein paar Verhaltensregeln, mit denen ich bisher gut gefahren bin.
•Bin dann mal weg! Ich bin früher vor Großereignissen oft ein paar Tage verreist – irgendwohin, wo Sonne war. Bewahrt vor Über-Fokus! Was bis eine Woche vor einer WM nicht trainiert ist, kommt auch nicht mehr dazu.
•Wie war´s früher? Im Sport, im Job – irgendwann haben wir aus purer Freude damit angefangen! Diese Freude ist noch in uns und kann jederzeit reaktiviert werden. Allerdings nicht, wenn man dauernd trübe Gedanken wälzt.
•Fragen gegen Angst: Natürlich kommen immer wieder mal Gedanken, die sich mit der Niederlage beschäftigen – am besten man antwortet ihnen mit folgenden Fragen: Wo liegen meine Stärken? Wie habe ich mich vor meinen größten Erfolgen gefühlt? Wie kann ich mir hier und jetzt eine Freude bereiten?
•Routiniert bleiben: „Same procedure as every time“ suggeriert dem Unbewussten Vertrauen, hektisches Experimentieren etwa am Material in letzter Minute nur Unsicherheit: „Was ich bisher gemacht habe, war verkehrt.“
•Schnelldurchlauf: Aufgeregt vor einem großen Moment? Was war alles erforderlich und was ist alles gutgegangen, um jetzt überhaupt vor so einem großen Moment zu stehen? Diese Frage stellen, ruhig atmen & von Herzen lächeln bringt einen in die Präsenz.

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