GOLDMEDAILLEN SIND GUT FÜR…?

Ein ganzes Buch habe ich in der Betrachtung des Tages geschrieben, an dem ich Olympiasieger wurde. Alles gesagt. Ich widme mich diesmal einer Frage, die selten gestellt wird: Wofür sind Goldmedaillen eigentlich gut?

Erinnern Sie sich an den norwegischen Skirennläufer Kjetil Andrè Aamodt? Er hat als einziger Skirennläufer vier Mal Gold bei Olympischen Spielen gewonnen, war fünf Mal Weltmeister und hat insgesamt erstaunliche 20 Medaillen bei Großereignissen gewonnen. Eines Tages hat die norwegische Polizei angeblich einen Einbrecher festgenommen, bei dessen Beute sich Olympia- und WM-Medaillen fanden. Gut, dass draufstand, wann, wo, welches Metall gewonnen wurde! So kam man auf den rechtmäßigen Besitzer. Kjetil Andrè Aamodt war nämlich zwar der Kellereinbruch in seinem Haus aufgefallen (angezeigt hatte er ihn nicht), das Fehlen seiner Medaillensammlung hatte er aber nicht bemerkt.

Das nenne ich einen gelassenen Umgang mit dem sportlichen Ruhm von gestern und vorgestern ☺

Meine Medaillen sind natürlich wesentlich besser gegen Diebstahl geschützt: Sie liegen in einem Ledersack, dieser Ledersack liegt in einem Kasten, ich verrate nicht in welchem. Sie merken schon, liebe LeserInnen, worum es mir ernsthaft geht: Um die Klarstellung, dass es um die Medaillen an sich nie geht. Eine Goldmedaille verhält sich zum Olympiasieg, wie eine Hutnadel zur Bergtour, ein Kühlschrankmagnet zur Urlaubsreise oder die Damenspende zum Ballbesuch.

Allerdings: Eine Olympia-Goldmedaille ist – neben einem netten Andenken – ein einfaches Symbol, das auf der ganzen Welt verstanden wird und mit vielen Zuschreibungen aufgeladen ist. – Sie steht für Meisterschaft, zumindest in einer spezifischen Disziplin. Sie steht auch für Disziplin als Tugend. Disziplin funktioniert nur mit einem Treibstoff gut, mit Begeisterung. Eine andere Antriebsfeder wären Ängste und Zwänge mit dem Nachteil, dass einem da irgendwann die Disziplin flöten und der Saft ausgeht.

Das zehnjährige Jubel-Jubiläum meiner ersten beiden Olympiasiege in Turin für sich würde keinen Blogbeitrag rechtfertigen. Im Buch, das ich darüber geschrieben habe, ist alles beschrieben. Wertvoll ist der zeitliche Abstand aber für die Annäherung an die Frage, die praktisch nie gestellt wird: Wofür sind Olympia-Goldmedaillen eigentlich gut?

Ich sage es gleich: es ist unmöglich, diese Frage erschöpfend zu beantworten. Richtig ist: Meine Medaillen haben mein Leben in andere Bahnen gelenkt, als es ohne sie verlaufen wäre. So viel Hypothese wage ich. Es heißt, dass man Weltmeister immer nur bis zur nächsten WM, Olympiasieger hingegen ein ganzes Leben lang ist – nur: Was hat man davon? Meine persönliche Antwort, zehn Jahre nach meinem ersten und zweiten (sechs Jahre nach dem dritten) Olympiasieg: Man hat dann was davon, wenn man einen Weg findet, wie auch andere etwas von dem Weg haben, den man gegangen ist, um Olympiasieger zu werden.

Bei mir sind das: Vorträge, Workshops, Trainings und Seminare.

Der Kreis schließt sich und der Bogen spannt sich dieser Tage ins Mekka des nordischen Skisports, nach Lillehammer – Norwegen, wo ich im Jahr 1994 als 18jähriger das erste Mal bei Olympischen Spielen war. Dort finden seit 12. 2. Olympische Jugend-Winterspiele mit 1.100 Athleten zwischen 15 und 18 Jahren aus rund 70 Nationen statt. Das oft kritisierte International Olympic Committee IOC geht hier einen neuen Weg, um junge AthletInnen an den Wesenskern der olympischen Idee heranzuführen: 15 Olympioniken weltweit sind ausgewählt worden, um als Athlete Role Models und Mentoren die YOG-AthletInnen durch die Spiele zu begleiten – ich freue mich sehr, einer davon zu sein. Für unsere Österreich-Delegation habe ich schon beim Olympia-Kick-Off eine erste Keynote gehalten (hier geht´s zum Video).

Die Begeisterung in den Augen junger AthletInnen, ihr sportlicher Idealismus und ihre Fähigkeit, das Miteinander für wichtiger zu halten, als die sportliche Konkurrenz: All das ist – für mich – eine gute Antwort auf die Ausgangsfrage „Wofür sind Olympia-Goldmedaillen gut?“. Ich genieße die Zeit bei den Youth Olympic Games mit der next Generation.

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